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Eine Andersartigkeit, die belasten und bereichern kann

  • Unter der Moderation von WN-Redakteurin Annegret Schwegmann erläuterte Diplom-Psychologe und Alexianer-Experte Thomas Miebach (EOS-Klinik Münster) die Merkmale der Autismus-Störung.
23.11.17, Münster
Alexianer Münster GmbH

Mehr als 120 Interessierte informierten sich beim Alex-Talk über Autismus-Störungen:

„Wenn Sie eine ehrliche Meinung zu Ihrer neuen Frisur haben möchten, fragen Sie einen Autisten!“, beschrieb Thomas Miebach eines von vielen Merkmalen dieser außergewöhnlichen „Andersartigkeit“, denn: „Autistisch geprägte Mitmenschen sind oft sehr ehrlich, reden nichts schön, sondern bringen die Dinge häufig sachlich und nüchtern auf den Punkt!“

Genau in dieser Fokussierung auf die reine Sachlichkeit zeigten sich zugleich aber auch die Defizite eines Menschen mit autistischer Veranlagung: Nämlich die fehlende Fähigkeit, sich in andere Personen einzufühlen, Emotionen zu erkennen, zu teilen oder eben „angemessen“ zu reagieren. Immerhin einer von 100 Menschen ist von dieser erblich bedingten Störung betroffen.

Mit sehr viel Erfahrung aus seiner langjährigen Tätigkeit als Psychotherapeut in der EOS-Klinik Münster und Vorsicht vor zu schnellen diagnostischen Einstufungen der Betroffenen gab der Diplom-Psychologe für knapp zwei Stunden Einblicke in die Welt von Menschen mit Autismus-Störungen.

Und widmete sich damit einem Thema, das mit über 120 Zuhörern in der Alexianer-Waschküche nicht nur auf sehr großes Interesse stieß, sondern auch noch immer von vielen Klischees begleitet wird. Außergewöhnliche Fähigkeiten, wie etwa das blitzschnelle Zählen von herunterfallenden Streichhölzern à la „Rain Man“, träten zwar auf, seien aber sehr selten. Schwierigkeiten mit dem Verständnis sozialer Situationen, der nahezu zwanghafte Drang, an Ritualen und gewohnten Abläufen festzuhalten oder auch die intensive Beschäftigung mit Spezialinteressen können Hinweise auf eine autistische Störung sein.

„Doch immer gilt es, die Patienten zunächst in einer sehr umfangreichen und aufwendigen Diagnostik ganz genau anzuschauen, mögliche begleitende oder alternative Störungen auszuschließen und die genaue Autismus-Form zu spezifizieren, betonte der Experte. Genau in diesem Erfordernis liege aber oft auch das Problem, denn eine solche exakte Diagnostik koste eben viel Zeit und damit auch Geld.

Doch wann sollten sich Betroffene eigentlich in eine Behandlung begeben? „Das hängt immer sehr vom individuellem Leidensdruck und der Selbstakzeptanz ab“, erklärte Miebach und ergänzte: „Die autistische Verhaltensweise selbst können wir grundsätzlich nicht weg therapieren, aber in der Behandlung sehr wohl trainieren, viel besser im Alltag mit anstrengenden und herausfordernden Situationen umzugehen“.

So sei das Leben mit Autismus keineswegs als statische Einbahnstraße zu verstehen, sondern könne in eine positive Weiterentwicklung gesteuert werden. Nach oft noch problemlosen Abschlüssen in Schule, Ausbildung oder Studium zeigten sich meistens beim Einstieg auf den Arbeitsmarkt die ersten Hürden: „Flexibilität, das Arbeiten unter Zeitdruck oder im Team, all` diese Anforderungen auf dem heutigen Arbeitsmarkt kann ein Autist schwer erfüllen“. Oft seien Autisten daher in Branchen, die ein hohes Maß an Perfektion, Konzentration oder auch stilles Tüfteln erforderten besser aufgehoben und so zum Beispiel häufig in der IT-Branche gefragte Arbeitnehmer.

Miebach selbst war es ein Anliegen, eine Lanze für die Autisten und ihre vielschichtigen Talente zu brechen und betonte abschließend: „Für mich sind es stets sehr gewinnbringende Begegnungen und es lohnt sich, für die Andersartigkeit der Betroffenen Verständnis und Akzeptanz aufzubringen!“

Pressekontakt:

Alexianer Münster GmbH
Anja Große Wöstmann
Unternehmenskommunikation
Telefon: 02501/966 20 260
E-Mail: agw@alexianer.de

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