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„Eine stille und schleichende Sucht“

  • Über den verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten referierte der Alexianer Suchtexperte Dr. Matthias Schubring (r.) beim jüngsten Alex Talk, der von WN-Redakteur Stefan Werding moderiert wurde. Foto: A. Große Wöstmann
21.03.18, Münster
Alexianer Münster GmbH

Alexianer-Chefarzt Dr. Matthias Schubring referierte zum Medikamenten-Missbrauch:

Es ist eine schleichende und stille Sucht und Betroffene benötigen fast immer eine professionelle Begleitung, um sie zu bewältigen: Insgesamt 1,9 Millionen Menschen in Deutschland sind von Medikamenten abhängig, Frauen dabei fast doppelt so häufig wie Männer und nahezu 80 Prozent der Substanzen machen die Benzodiazepine aus. „Und wenn wir uns den mehr und mehr ausufernden Konsum beispielsweise von Schmerzmitteln in den USA anschauen, müssen wir auch hierzulande mit steigenden Tendenzen rechnen", skizzierte Dr. Matthias Schubring die aktuelle Lage. Als Chefarzt der St. Antonius Suchtklinik in Hörstel behandelt er täglich von Alkohol bis Drogen viele Formen von Suchterkrankungen, bezeichnet die Medikamentenabhängigkeit aber als eine ganz eigene Suchtform mit hoher Dunkelziffer: „Auch diese Suchterkrankungen sind nach wie vor ein großes Tabuthema und ich sehe die Betroffenen in unserer Klinik noch immer in einem sehr späten Stadium ihrer oft jahrelangen Erkrankung."

Den zunehmenden Leistungsdruck von allen Seiten angefangen vom Kleinkind bis ins späte Berufsleben benannte der Experte ganz klar als eine wesentliche Ursache dafür, dass immer mehr Menschen versuchten, diesem Druck mit dem schnellen Griff zur Pille standzuhalten: Auch ein Kleinkind in der Kita darf heute bei oft zwei berufstätigen Eltern nicht unnötig lange krank zuhause bleiben und da fängt das Dilemma und der Griff zu Antibiotika und Co. schon früh an", bemerkt der Klinikchef. Das Bedürfnis nach schneller Hilfe setze sich dann in Ausbildung, Studium und Beruf fort: Denn der Kampf etwa gegen den Rückenschmerz lässt sich natürlich schneller und einfacher mit einem Schmerzmittel bekämpfen als mit zeitaufwendigen Fitnessübungen und regelmäßigem Sport. Und ein Griff zum Aufputschmittel vor einer schweren Prüfung erleichtert mir vielleicht etwas das mühsame Büffeln und macht mich punktgenau fit für die Klausur."

Ein weiteres Paradebeispiel betreffe die zunehmenden Schlafstörungen: „Auch hier sollten wir statt der Einnahme von Schlafmitteln viel mehr auf die eigentlichen Ursachen der Schlafprobleme schauen!" Stress, Überforderung, Ängste oder auch Depressionen etwa seien klassische Schlafräuber. Die Gäste, wie auch Schubring selbst, räumten allerdings ein, dass bezüglich der Ursachenforschung auch die Unterstützung und Zeit der Ärzte oft begrenzt sei und somit das Verschreiben von Medikamenten häufig zumindest als vorübergehende Lösung akzeptiert werde. Auch die Wahl vieler verschiedener Ärzte trage dann schnell zur Unübersichtlichkeit bei der Medikamentenverordnung bei. Um das Abrutschen der Patienten in die Sucht zu vermeiden, könnten daher möglichst klare Indikationen, das Verordnen kleiner Dosen und eine strenge ärztliche Kontrolle durch den Hausarzt wesentlich beitragen. „Vermeiden Sie möglichst auch die angepriesenen Kombipräparate, denn das Abhängigkeitspotential liegt häufig in der Beimischung der begleitenden Substanzen", empfahl der Klinikchef.

Und wie verhalte ich mich, wenn ich bei einem Kollegen oder nahen Angehörigen eindeutige Auffälligkeiten bemerke? Gehen Sie in die Offensive, denn je offener Sie mit dem Betroffenen und seinem Suchtproblem umgehen, desto besser für alle Beteiligten", lautete hierzu der Rat des Experten.

Pressekontakt:

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