Informationen für Eltern und Jugendliche

Das Familienleben kann schön, kann aber auch sehr schwierig sein. Wenn sich Familien in einer Notlage befinden, verzweifelt sind, sich keinen Rat mehr wissen, sich hilflos fühlen, Eltern und Kinder z.B. zerstritten sind, das Kind oder der Jugendliche die Schule nicht besucht, sehr still ist oder aggressiv reagiert, äußern betroffene Eltern und oft auch Kinder: Sie finden ihr eigenes Verhalten, ihre Hilflosigkeit und die gesamte familiäre Situation höchst peinlich.

Oft folgt daraus, dass sie sich isolieren und ihre Not geheim zu halten versuchen, vielleicht weil sie denken, nur Ihnen geht es so. Dabei haben viele Familien Probleme und fühlen sich zeitweise überfordert. Daher unser Rat:

Suchen Sie Hilfe und nehmen Sie sie an!

Das Recht auf Hilfe und Unterstützung ist gesetzlich verankert. Das 8. Sozialgesetzbuch enthält das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) und regelt auch Ihre Rechte. Sie haben das Recht, sich jederzeit an das Jugendamt Ihres Wohnortes zu wenden, um Hilfe für Ihre Erziehungsaufgabe zu beantragen. Sie haben einen Anspruch auf Hilfe zur Erziehung. Nach § 27 (SGB VIII) haben Eltern (Personensorgeberechtigte) bei der Erziehung eines Kindes oder eines Jugendlichen Anspruch auf Hilfe, wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist.

In den §§ 28-35 SGB VIII sind die einzelnen Formen von Hilfen aufgelistet (Erziehungsberatung, soziale Gruppenarbeit, Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer, sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehung in der Tagesgruppe, Vollzeitpflege, Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform, intensive sozialpädagogische Einzelhilfe).

Wenden Sie sich an das Jugendamt, das für Sie zuständig ist.

Ihre Stadt- bzw. Kreisverwaltung kann Ihnen sagen, wer für Sie zuständig ist. Am Besten rufen Sie bei dem zuständigen Mitarbeiter an und bitten um einen Gesprächstermin. Nach § 36 SGB VIII haben Personensorgeberechtigte (in der Regel die Eltern) und das Kind, der Jugendliche das Recht auf Beratung. Die  Sachbearbeiter des Jugendamtes hören Sie an und beraten Sie.Wenn Sie Unterstützung benötigen, müssen Sie diese schriftlich beantragen, wobei die Jugendämter in der Regel vorgefertigte Anträge (Formblätter) haben. Falls eine von Ihnen beantragte Hilfe vom Jugendamt abgelehnt wird, können Sie gegen die schriftliche Ablehnung Widerspruch einlegen, was dazu führt, dass Ihr Anspruch erneut geprüft werden muss.

Ein Widerspruch ist rechtswirksam, eine Beschwerde oder das Äußern von Unzufriedenheit nicht

Wenn ein Zusammenleben in der Familie nicht mehr möglich ist und Sie Hilfe zur Erziehung außerhalb Ihrer Familie benötigen, haben Sie und das Kind, der Jugendliche bei der Auswahl der Einrichtung (z.B. Heim) oder der Pflegestelle ein Recht auf Beteiligung. Nach § 5 SGB VIII haben die Leistungsberechtigten (Personensorgeberechtigten, Eltern, Kinder und Jugendliche) ein Wunsch- und Wahlrecht, solange die gewünschte Einrichtung geeignet ist und keine unverhältnismäßigen Mehrkosten entstehen. Sie können zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger wählen und Wünsche hinsichtlich der Gestaltung der Hilfe äußern.

Kinder und Jugendliche haben das Recht, sich auch ohne die Eltern / Personensorgeberechtigten an das Jugendamt zu wenden und sie müssen an allen sie betreffenden Entscheidungen entsprechend ihrem Entwicklungsstand beteiligt werden. Jugendliche, die 15 Jahre und älter sind, können selbstständig Anträge auf Leistungen / Hilfen stellen. Sie sind rechtsmäßig handlungsfähig.


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