1. Don Bosco Forum: „Inklusion gemeinsam mit Bedacht weiterentwickeln!“

01.10.19, Don Bosco Klinik

Don Bosco Klinik lud rund 50 Kinder- und Jugendexperten zum interdisziplinären Austausch ein:
Die Botschaft war relativ schnell klar: Der Gedanke der Inklusion und damit auch des gemeinsamen Lernens von Kindern mit und ohne Förderbedarf sei grundsätzliche eine gute Sache und der Gewinn auf beiden Seiten schon vielfach erwiesen.

„Doch birgt die schulische Inklusion leider auch viele Stolpersteine und ist damit auch längst zu einer interdisziplinären Herausforderung für viele angegliederte Bereiche geworden“, erklärte Prof. Dr. Bernd Ahrbeck. Genau diese Problemfelder nahm der Wissenschaftler für Psychoanalytische Pädagogik an der Uni Berlin daher beim 1. Forum der Don Bosco Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sehr genau in den Blick.

Der Alexianer-Klinik als Veranstalter war es ein Anliegen, das Thema Inklusion einmal intensiv und aus angrenzenden beruflichen Perspektiven zu betrachten: „Insbesondere auf unserer Station Helena, die sich auch jungen Patienten mit Lernstörungen im Grundschulalter widmet, sehen wir uns täglich auch mit den Herausforderungen der Inklusion konfrontiert; eine gute Zusammenarbeit mit Fachkollegen ist daher für uns von großer Bedeutung“, eröffnete Oberärztin Dr. Sylvia Boschin das Forum.

Den knapp 50 Teilnehmern, darunter niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten, Sonderpädagogen, Lehrer und Sozialarbeiter, skizzierte der Inklusionsexperte dabei zunächst die begriffliche Ausgangsposition: „Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention wurde die Inklusion auch in Deutschland zum Leitbild im Umgang von Menschen mit Behinderung mit dem ehrgeizigen Auftrag, dass sich letztlich eine ganze Gesellschaft inklusiv wandeln soll.“ Bei vielschichtigen Interpretationen über das inhaltliche Ausmaß sei in Deutschland zumindest eine Sache klar: „Wir wollen an einem differenzierten Angebot und Wahlrecht der Eltern zwischen Regel- und Förderschule festhalten“.

Der Wissenschaftler räumte ein, dass sich gleich von Beginn der Umsetzung schulischer Inklusion bis heute eine sehr emotionale Diskussion in beide Richtungen entfachte und diese die Gesellschaft teils in zwei Lager spalte: „Die Inklusionsdebatte ist und bleibt ein ziemlich heißes Eisen!“

Zu wenig begleitende Lehrkräfte, eine schlechte Ausstattung und andere unzureichende Rahmenbedingungen standen damit genauso zur Diskussion wie best practice Beispiele aus anderen Ländern.
Gerichtet an die anwesenden Behandler und Pädagogen hatte Ahrbeck den Rat: „Wir müssen weiterhin an einer klaren Diagnostik als Grundlage auch für eine gute pädagogische Arbeit festhalten, denn jegliche Verwischung der Probleme nütze niemanden, schon gar nicht den Kindern!“ Genauso wenig sah er den gemeinsamen Unterricht für alle Kinder, egal mit welchem Förderbedarf, stets als gewinnbringend an: „Denn gerade die Gruppe der Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten bleibt doch oft außen vor.“

Auch, um die inklusiv beschulten Kinder und ihre Eltern nicht zu enttäuschen, müsse man sich vielmehr fragen: „Was kann die inklusive Schule zurzeit tatsächlich leisten, denn es gibt eben Grenzen des Möglichen!“ Kinder mit ähnlichem Förderbedarf in inklusiven Schulen zusammen zu führen, um so die pädagogischen Ressourcen bestmöglich zu nutzen, könne hier etwa ein Weg sein.

So stand am Ende des Forums für den Experten wie die Anwesenden vor dem Einstieg in begleitende Workshops auch diese klare Erkenntnis: „Es ist nach wie vor der individuelle Blick auf jedes einzelne Kind bedeutsam und den gemeinsamen Weg der Inklusion gilt es mit großem Bedacht und behutsam weiter zu entwickeln, wenn er tatsächlich langfristig gelingen soll!“