Wieder Partner sein – Intensivpflegeeinrichtung Haus Augustinus eröffnet

Einzug Haus Augustinus

, Einrichtungen Münster

Die Koffer sind im Zimmer, die Lieblingsdecke mit dem Schalke-Logo ist schon ausgepackt, jetzt gilt es, viele neue Gesichter kennenzulernen: Mit Christian H. ist der erste Bewohner in das nagelneue Haus Augustinus der Alexianer in Münster eingezogen. Hier finden ab sofort Menschen mit außerklinischem Intensivpflegebedarf ein Zuhause; Menschen die durch einen Unfall oder eine neurologische Erkrankung beatmet werden müssen.

Das Team um die Einrichtungsleiter Ralf Krämer und Thomas Olschewski hat spannende Wochen und Monate hinter sich: Teils vom Spatenstich an haben sie den Aufbau des Hauses Augustinus mit begleitet, konnten gemeinsam mit ihrem Pflegeteam Prozesse erarbeiten und haben sich „ihr“ Haus so eingerichtet, wie es für Pflege und Bewohner am passendsten ist.

Christian, der erste Bewohner, wurde am vergangenen Donnerstag von seiner Mutter begleitet. Er hat sein Zimmer bezogen und es sich gemütlich gemacht, nun genießt er die März-Sonnenstrahlen, die ihm heute ins Gesicht scheinen. Eine Sonnenbrille schützt den jungen Mann, der körperlich stark beeinträchtigt ist und durch eine Öffnung in der Luftröhre dauerhaft beatmet wird.

Entspannt zu Besuch kommen

„Für Angehörige ist der Schritt, den Partner oder das Kind in eine Intensivpflege zu geben, oftmals schwer. Aber schnell merken sie, dass sie durch die professionelle Betreuung und Begleitung hier im Haus wieder in ihre eigentliche Rolle zurückkehren können: als Partner, als Freund, als Eltern. Die Aufgabe der Pflege ist abgegeben an uns, die Angehörigen sind körperlich entlastet und können entspannt zu Besuch kommen, haben auch wieder mehr Zeit für sich“, erklären die Einrichtungsleiter.

Nicht nur Pflegekräfte sind im Haus Augustinus im Einsatz, sondern viele weitere Berufsgruppen: Ergotherapeuten, Case Manager, Ärzte, Physiotherapeuten oder auch speziell geschulte Atmungstherapeuten, denn Ziel für viele Bewohner wird sein, wieder ohne das Beatmungsgerät leben zu können – wenn auch nur stundenweise. Eine Zusammenspiel der Mitarbeiter und des Bewohners, das unfassbar viel Vertrauen erfordert, schließlich kommt im Idealfall irgendwann der Punkt, an dem die Beatmung erstmals abgeschaltet wird. Bis dahin ist der Bewohner so weit vorbereitet, dass dieser Schritt gelingen kann.

Bewohner motivieren

Gleichzeitig ist die Pflegeeinrichtung aber auch die richtige Adresse, wenn die Entwöhnung, das sogenannte „Weaning“, nicht gelingt oder sogar, wenn die Bewohner ihre letzte Reise antreten, da auch eine palliative Versorgung möglich ist. Großzügig geschnittene Zimmer mit eigenem Bad, bodentiefe Fenster, Terrassen und helle und zweckmäßige Gemeinschaftsräume machen den Umzug in das Haus Augustinus für die Bewohner leicht. Alles ist überlegt und auf die besonderen Bedürfnisse ausgerichtet. „Wir haben ein Wohngruppenkonzept, das heißt: Wir treffen uns gemeinsam zu Aktivitäten und motivieren unsere Bewohner, wieder an Geselligkeit teilzunehmen“, so Thomas Olschewski. Spezielle Möbel lassen ein sicheres Sitzen der körperlich beeinträchtigten Bewohner überall zu. Trotzdem bieten die großen Zimmer, in die auch viele eigene Gegenstände einziehen können, Raum für ruhige Momente.

„Der Pflegeschlüssel in unserer Einrichtung ist sehr hoch“, erläutert Ralf Krämer, „die Mitarbeiter haben nur wenige Bewohner zu versorgen. Gleichzeitig bedeutet das, dass wir viel Personal benötigen“. Rund 50 Bewohner sollen irgendwann im Haus Augustinus leben, Tag für Tag ziehen nun weitere ein. Interessierte Pflegekräfte können sich vor Ort weiterbilden lassen, um in diesem intensiven Bereich zu arbeiten.

„Leider entfällt eine große Einweihungsfeier, aber die holen wir mit allen Bewohnern nach“, verspricht der Alexianer-Regionalgeschäftsführer Stephan Dransfeld. Das Bauprojekt hat eineinhalb Jahre gedauert und blieb mit Baukosten von rund 10 Millionen Euro unter den ersten Planungen.