Quälende Angst – Angststörungen
Wenn Angst zum quälenden, lebensbehindernden Problem wird und sie ihre Signal- und Lernfunktion verliert spricht man vom Vorliegen einer Angststörung.
Angst ist ein angeborenes und evolutionär sinnvolles Gefühl, das uns vor Gefahren warnt und uns ermöglicht, aus Schwierigkeiten zu lernen. Wenn die Angst jedoch überhandnimmt und ihre Signal- und Lernfunktion verliert, kann sie zu einer quälenden und lebenseinschränkenden Angststörung werden, die den Alltag maßgeblich bestimmt. Man unterscheidet die folgenden Formen der Angststörung:
- Generalisierte
- Angststörung
- Panikstörung
- Agoraphobie
- Soziale Phobie
- Spezifische Phobie, z.B. Spinnen-Phobie
Wenn eine Angststörung erstmals in der Schwangerschaft oder nach der Geburt auftritt, spricht man von einer peripartalen Angststörung. Ca. 13-25 % der Eltern sind hiervor betroffen. Die ständige Angst, dass Komplikationen in der Schwangerschaft auftreten, dem Kind etwas zustößt oder man in der Elternrolle vermeintlich „versagt“, kann im Alltag extrem belastend sein. Oft kommen Panikattacken und Vermeidungsverhalten hinzu. Die Geburt des Kindes kann auch eine vorausgehende Angststörung der Eltern wiederaufleben lassen.
Bei einer Angststörung muss das überaktive Angstsystem neu eingestellt werden. Diese Neueinstellung erfolgt in unserer Behandlung in den folgenden Schritten:
- Verstehen der Zusammenhänge innerhalb des persönlichen Angstsystems und seiner Aufrechterhaltung
- Entscheidung für eine aktive Arbeit an diesem Angstsystem und an einer Neueinstellung dieses Systems
- Herbeiführen einer Verhaltensänderung durch Konfrontationstherapie: Betroffene lernen Bewältigungsfertigkeiten, um den Teufelskreis aus Angst, Vermeidung und zunehmender Hilflosigkeit zu durchbrechen. Wir führen Konfrontationstherapien in intensiven, regelmäßig stattfindenden Übungen durch, die zunächst therapeutisch angeleitet werden. Hierbei behalten wir vor allem die Interaktion mit dem Kind im Auge, da die Sorge um das Kind häufiger Auslöser der angstbesetzten Situationen ist. So üben wir, unter therapeutischer Anleitung, einen entspannteren Umgang mit dem Kind sowohl in unserem tagesklinischen Setting als auch im häuslichen Umfeld.
- Bearbeiten der Bedingungen, die zur Entwicklung der Angststörung geführt haben, und Veränderung dieser.
Zusätzlich stehen den Betroffenen alle gruppentherapeutischen Elemente, die unter dem Punkt „postpartale Depression“ näher ausgeführt sind, zur Verfügung. Psychoedukation, körperorientierte Verfahren, Spiel- und Baby-reading-Gruppen sowie der Austausch mit anderen Betroffenen kommt in der Behandlung eine große Bedeutung zu.