Wenn die Gefühle Achterbahn fahren – Emotionsregulations- oder Interaktionsstörungen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen

Emotionale Instabilität ist häufig und geht mit teils erheblichen Beeinträchtigungen der psychischen, sozialen und beruflichen Entwicklung einher.

Werden in unserer Kindheit zentrale Grundbedürfnisse durch eine problematische Beziehung zu den Hauptbezugspersonen dauerhaft nicht erfüllt, können ungünstige Denkmuster über uns selbst und die Beziehung zu anderen Menschen sowie wenig hilfreiches Bewältigungsverhalten auftreten. Diese können dauerhaft zu einem niedrigen oder instabilen Selbstwert, negativen Grundannahmen, Problemen in der Emotionsregulation und wiederkehrenden Problemen in sozialen Kontakten oder gar in Beziehungen führen. Der Versuch, mit den nachvollziehbaren und durch einen hohen Anpassungswert gekennzeichneten „Lösungsstrategien“ der Kindheit im Erwachsenenalter in Beziehungen die eigenen Bedürfnisse gestillt zu bekommen, gelingt oft nur schlecht. Der Alltag ist dann oftmals geprägt von verschiedenen Symptomen, wie z.B. vielen Enttäuschungen, Stimmungsschwankungen und wiederkehrenden Krisen vor dem Hintergrund einer erheblichen Irritabilität. Es kann zu schnellen und heftigen emotionalen Reaktionen kommen, die auch mit selbstschädigendem Verhalten, mit deutlichem Rückzug, Unterordnung oder Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse einhergehen können. Nicht selten führt dies auch zu konfliktreichen Beziehungen mit gehäuften Kontaktabbrüchen.

Es ist wesentlich, Interaktionsstörungen als starke Ausprägungen „normaler“ Persönlichkeitszüge aufzufassen, die den betreffenden Personen hohe Kosten erzeugen. Eine Psychotherapie kann helfen, diese Schwierigkeiten besser zu verstehen, einen gesunden Umgang damit zu erlernen und Interaktionsprobleme zu reduzieren.

Eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes lässt eine neue sehr intensive Beziehung entstehen, die die eigenen Bindungs- und Lernerfahrungen mit all den kritischen Glaubenssätzen über uns selbst und über Beziehungen sowie mit den resultierenden interaktionellen Gewohnheiten aktivieren kann. Der Wechsel in die Elternrolle kann unter diesen Umständen sehr herausfordernd sein.

Der Behandlungsansatz von Interaktionsstörungen in der Juno Tagesklinik beinhaltet verschiedene Therapiebausteine, welche individuell auf die Patient*innen angepasst werden. 

  • Identifikation der eigenen relevanten Bindungs- und Lernerfahrungen und der resultierenden, oftmals tief verwurzelten Erlebens- und Verhaltensmuster
  • Erarbeitung, inwieweit aktuelle Schwierigkeiten und frühe Erfahrungen zusammenhängen
  • Förderung der Selbstakzeptanz und der Selbstfürsorge
  • Verbesserung interaktioneller Fertigkeiten und deren Einübung
  • Förderung von Achtsamkeit und Mentalisierungsfähigkeit
  • Erarbeiten von Perspektiven zur Bewältigung von psychosozialen Problemen, auch unter Einbezug von Partner*innen und Familie beispielsweise in angeleiteten Familien- bzw. Paargesprächen

Als weiterer, bei Interaktionsstörungen erfolgversprechender Behandlungsbaustein wird in der Juno Tagesklinik die Schematherapie eingesetzt. Die Schematherapie zielt in einem ersten Schritt auf das Erkennen und Benennen jener wiederkehrender Muster des Erlebens und Verhaltens (Schemata) ab, die zu Schwierigkeiten führen. In weiteren Schritten geht es um die Veränderung dieser Muster oder Schemata mittels erlebnisaktivierender Methoden sowie um eine Stärkung gesund-erwachsener selbstregulierender, haltgebender und bedürfnisbefriedigender Strategien.

Steht die emotionale Instabilität im Vordergrund der Behandlung wird die Dialektisch Behaviorale Therapie genutzt, um eine verbesserte Spannungs- und Emotionsregulation zu erlernen, Stresstoleranz aufzubauen und therapie- oder selbstgefährdendes Verhalten abzubauen. Wichtige Grundlage ist hierfür eine achtsame, nicht bewertende Haltung und eine tragfähige therapeutische Beziehung.