Baby-Blues? – Postpartale Depression

Extreme Traurigkeit, Erschöpfung und geteilte Gefühle, die das eigene Baby betreffen, sind typische Zeichen einer Postpartalen Depression, die im temporären Zusammenhang mit dem Wochenbett auftritt.

Typische Symptome der postpartalen Depression sind: 

  • Extreme Traurigkeit, häufiges Weinen
  • Stimmungsschwankungen
  • Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung, Energiemangel
  • Appetitlosigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Reizbarkeit und Wut
  • Kopfschmerzen und Gliederschmerzen, Schwindel oder andere psychosomatische Beschwerden
  • Allgemeines Desinteresse, sexuelle Unlust
  • Extreme Ängste und Sorgen oder zwiespältige Gefühle hinsichtlich des Babys, Panikattacken
  • Innere Leere
  • Gefühl, nicht ausreichend für das Baby sorgen zu können oder keine gute Mutter zu sein
  • Angst, dem Baby zu schaden
  • Ausgeprägte Scham- oder Schuldgefühle, Versagensängste; Überzeugung, eine schlechte Mutter / ein schlechter Vater zu sein
  • Suizidgedanken oder Infantizidgedanken

Die Behandlung der postpartalen Depression gliedert sich in drei Teile:

1. Psychotherapie (innerhalb von Einzel- und Gruppentherapie):

  • Aufklärung über die Erkrankung u.a. durch eine psychoedukative Elterngruppe
  • Unterstützung bei dem Einfinden in die neue Elternrolle und Abbau von überhöhten Ansprüchen an sich selbst
  • Arbeit an Ängsten und Sorgen auch vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen als Kind
  • Stärkung der Selbstfürsorge, Aufbau positiver Aktivitäten
  • Erlernen von Achtsamkeit und Emotionsregulationsstrategien
  • Förderung der eigenen Ressourcen
  • Installieren von Hilfenetzwerken im Alltag und Erarbeiten einer günstigen Tagesstruktur
  • Austausch mit anderen Betroffenen


2. Interventionen zur Stärkung der Eltern-Kind-Bindung

  • Entdecken von Stärken in der Eltern-Kind-Interaktion, aber auch von „Teufelskreisen“ im Familienalltag und Erlernen, diese zu durchbrechen u.a. mit Hilfe videobasierter Eltern-Kind-Therapie
  • Arbeit an positiven Kontakten mit dem Kind, Abbau von Stress beim Versorgen des Kindes u.a. mit körperorientierten Verfahren
  • Erlernen von Beruhigungsstrategien für das Kind
  • Angeleitete Eltern-Kind-Spielgruppen und körperorientierte Gruppen wie Yoga und Mototherapie
  • Gruppentherapie zum leichteren Deuten der kindlichen Signale (Baby reading)


3. Psychopharmakologische Behandlung

Bei Vorliegen schwerer Depressionen oder einer langen Vorgeschichte mit gehäuften depressiven Phasen ist eine Behandlung mit antidepressiven Medikamenten empfehlenswert. Zu diesen zählen neben den so genannten Antidepressiva auch Stimmungsstabilisatoren. Bei der Erwägung einer medikamentösen Behandlung wird auch die Auswirkung auf die Stillzeit bedacht. Auch in dieser Zeit ist eine Behandlung mit Medikamenten möglich und wird speziell auf die Situation der Betroffenen zugeschnitten.