Der heimliche Begleiter – Zwangsstörungen
„Ist die Wäsche wirklich rein und sind meine Hände wirklich sauber oder könnte ich mein Baby krankmachen?“, „Was, wenn ich mein Kind vom Balkon werfe?“, „Was, wenn ich mein Kind mit dem Messer in der Küche verletze“.
Eine Schwangerschaft mit all ihren biologischen und körperlichen Veränderungen sowie der Übernahme von Verantwortung für ein Baby kann bei Eltern zu Gefühlen von Überforderung und Kontrollverlust führen. Um die vermeintliche Kontrolle im Leben wiederherzustellen, stützen wir uns oft auf das, was wir kennen und können, und wiederholen dieses in stereotyper, ritualisierter Weise. Wenn der Versuch der Ritualisierung misslingt, weil die wiederholten Handlungen oder Gedanken immer mehr werden, den ganzen Tag bestimmen und sich keine Beruhigung mehr einstellt, spricht man von einer Zwangsstörung. Ca. 2-3,5% der Eltern leiden während der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Kindes hieran.
Bei einer Zwangserkrankung ist es wichtig, die Erfolglosigkeit des krankhaften Musters zu durchschauen und hilfreiche Alternativen zu erkennen. Daher sind folgende Therapieelemente maßgeblich:
- Entscheidung für einen neuen Weg und eine aktive Arbeit am eigenen Zwangssystem
- Herbeiführen einer Verhaltensänderung durch Konfrontationstherapie: Betroffene lernen, Zwangsverhalten ab- und neues Bewältigungsverhalten aufzubauen, um den Teufelskreis aus Zwängen, Vermeidung und zunehmender Hilflosigkeit zu durchbrechen. Wir führen Konfrontationstherapien in intensiven, regelmäßig stattfindenden Übungen durch, die zunächst therapeutisch angeleitet werden. Auch bei der Behandlung der Zwangsstörung steht die Interaktion mit dem Kind im Vordergrund, da diese einen häufigen Auslöser der Zwangsgedanken und ‑handlungen darstellt. So üben wir, unter therapeutischer Anleitung, wieder einen aktiven und entspannteren Umgang mit dem Kind sowohl in unserem tagesklinischen Setting als auch im häuslichen Umfeld, da sich bei vielen Betroffenen die schwierigsten Situationen im eigenen Zuhause befinden.
- Bearbeiten der Bedingungen, die zur Entwicklung der Zwangsstörung geführt haben, und Veränderung dieser.
- Zusätzlich stehen den Betroffenen alle gruppentherapeutischen Elemente, die unter dem Punkt „postpartale Depression“ näher ausgeführt sind, zur Verfügung. Psychoedukation, körperorientierte Verfahren, Spiel- und Baby-reading-Gruppen sowie der Austausch mit anderen Betroffenen kommt in der Behandlung eine große Bedeutung zu.