Alexianer-Expertinnen informierten beim AlexTalk aus drei Perspektiven zur Trauerbewältigung.
„Trauern ist so individuell wie die Menschen selbst und so ist auch jede Trauer anders und daher ist jede Form der Trauer legitim“, stellte Univ.-Prof. Dr. Judith Alferink ihren Ausführungen voran. Gemeinsam mit ihrer Alexianer-Kollegin Eugenia Bozer (Clemenshospital) und Klinik-Seelsorgerin Kathrin Alshuth erläuterte die Chefärztin des Alexianer-Krankenhauses Münster beim jüngsten AlexTalk, ab wann ein Trauerprozess Anlass zur Sorge gibt und Trauernde sich Hilfe holen sollten.
Denn Schätzungen zufolge bleiben rund sieben bis zehn Prozent der Trauernden buchstäblich in ihrer Trauer gefangen und entwickeln eine anhaltende Trauerstörung. Bei frühen Verlusten, zum Beispiel eines Kindes, können es sogar bis zu 60 Prozent Betroffene sein. Seit 2022 ist die nicht enden wollende Trauer als eigenständige psychische Erkrankung anerkannt und soll zukünftig auch einer spezifischen Behandlung zugänglich gemacht werden.
„Trauer beinhaltet am Anfang eine Stressreaktion der Psyche und des Körpers“, beschrieb Alferink. Herzschlag, Blutdruck und Stresshormone können in den ersten Wochen erhöht sein und klingen im Rahmen der Anpassung des Trauernden an die neue Situation in der Regel auch wieder ab.
Es schließen sich von Schock, über Wut, Sehnsucht, Traurigkeit bis hin zur Akzeptanz verschiedene Phasen der Trauer an. Problematisch werde der Trauerprozess, wenn er sehr lange und unverändert anhalte, körperliche und seelische Beschwerden bereitet, die Gedanken ständig um die verstorbene Person kreisen und der Alltag deutlich beeinträchtigt werde.
„Neurobiologisch ähneln die Vorgänge im Gehirn manchmal einer Sucht. So kann die Sehnsucht eine regelrechte Entzugssymptomatik auslösen und den Körper dauerhaft in eine emotionale Alarmbereitschaft versetzen“, ergänzte Alferink.
„Das Stärken der eigenen Resilienz auch in der Trauer ist erlernbar“, gab Alferink den Anwesenden als positive Botschaft mit auf den Weg. Krisen als überwindbar einzustufen, die eigenen Ziele weiterzuverfolgen, seine positive Selbstwahrnehmung zu fördern oder auch Trauerrituale seien hier zum Beispiel hilfreiche Bausteine.
Auch eine schwere Erkrankung des Kindes kann eine enorme psychische Belastung für Eltern darstellen. Hierzu berichtete Eugenia Bozer, die als Psychotherapeutin im Clemenshospital Eltern begleitet, deren Kinder durch Unfall oder Erkrankung schwere Schädigungen erlitten haben: „Trauer kann auch eintreten, wenn zuvor geplante Visionen, etwa ein normales Aufwachsen des eigenen Kindes, von heute auf morgen zerplatzen“. Gefühle wie Angst, Zweifel, Sorgen, Schuld, Wut und Hilflosigkeit seien bei allen Eltern ähnlich stark und hier könne ein angeleiteter Austausch untereinander enorm helfen. In einer Elterngruppe vermittelt Bozer den betroffenen Eltern umfangreiches Wissen und unterstützt sie dabei, das Erlebte anzunehmen und sich gegenseitig zu stärken.
„Trauernde brauchen auch einen guten Engel an ihrer Seite“, betonte Pfarrerin Kathrin Alshuth und meinte damit vor allem unterstützende Mitmenschen. Als Seelsorgerin in der Raphaelsklinik begleitet sie Erkrankte und Trauernde und zeigte auf, inwiefern der Glaube Halt und Hoffnung spenden kann. „Ich habe die Zeit, einfach für die Menschen da zu sein, zuzuhören, zu sortieren und ambivalente Gefühle aushaltbar zu machen“, beschrieb Alshuth.
Stream zum Nachschauen unter: www.alexianer-muenster.de/unternehmen/aktuelles/mediathek