Lähmende Angst – Angststörungen bei Kindern
Blindtext
Ängste gehören zum normalen Entwicklungsprozess von Kindern. Fast jedes Kind hat im Laufe seines Aufwachsens Ängste – etwa vor Dunkelheit, Monstern, Trennung von den Eltern oder dem Kindergartenbesuch. In vielen Fällen treten diese Ängste nur in einem bestimmten, zeitlich begrenzten Entwicklungszeitraum auf und verlieren sich ohne Interventionen.
Wenn jedoch die Angst übermäßig stark ist, lange anhält, den Alltag des Kindes und der Familie deutlich beeinträchtigt und das Kind nicht in der Lage ist, die Angst selbständig zu kontrollieren, spricht man von einer Angststörung.
Eine umfassende Diagnostik hat zum Ziel, ein möglichst genaues Bild der psychischen und sozialen Situation aufzuzeigen. Zunächst findet ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern zur familiären, sozialen und gesundheitlichen Situation des Kindes statt. Die Beobachtung des Verhaltens und der Interaktion des Kindes ist ein weiterer Bestandteil der Diagnostik. Zusätzlich kommen standardisierte diagnostische Instrumente zum Einsatz. Diese können Intelligenztests, Fragebögen zur Erfassung des kindlichen Verhaltens, emotionale Befindlichkeiten oder spezifische Testverfahren für bestimmte psychische Störungen umfassen. Je nach Fragestellung und Alter des Kindes werden die entsprechenden Verfahren ausgewählt. Nach Auswertung der diagnostischen Ergebnisse werden diese mit den Eltern besprochen und es erfolgt die detaillierte Ausarbeitung eines individuellen Therapieplans.
1. Trennungsangststörung
Betroffene Kinder haben extreme Angst davor, von ihren Bezugspersonen (meist Eltern) getrennt zu werden. Sie weigern sich oft, allein zu schlafen, oder haben Schwierigkeiten, sich bspw. für den Besuch des Kindergartens zu trennen.
2. Generalisierte Angststörung
Betroffene Kinder sorgen sich übermäßig über viele alltägliche Dinge (bspw. Schule, Gesundheit, Unglücke), obwohl kein konkreter Anlass besteht. Diese Ängste sind häufig nicht altersentsprechend.
3. Soziale Phobien
Betroffene Kinder haben starke Angst davor, im Mittelpunkt zu stehen oder von anderen Menschen als merkwürdig, peinlich oder gar lächerlich empfunden zu werden. Kinder vermeiden häufig soziale Kontakte zu anderen Kindern.
4. Spezifische Phobien
Hierbei haben Kinder übertriebene, unrealistische Ängste vor bestimmten Objekten oder Situationen (bspw. Tieren, Gewitter, Höhe). Diese können auch mit Panikattacken und/oder Vermeidung einhergehen.
Angststörungen zeigen sich auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Symptomen. Auf der körperlichen Ebene berichten Kinder von Herzklopfen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Zittern und Schlafstörungen. Auf der emotionalen Ebene sind es übermäßige Sorgen, Nervosität und Reizbarkeit. Betroffene Kinder verhalten sich oft rückzügig, vermeiden bestimmte Orte und Situationen, weinen häufig, können sich aber auch wütend verhalten. Sie äußern zusätzlich häufig körperliche Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen.
Die Entstehung von Angststörungen ist ein multifaktorielles Zusammenspiel von genetischen Prädispositionen, psychosozialen Belastungsfaktoren und erlerntem Verhalten.
Behandelt werden Angststörungen bei Kindern mit psychotherapeutischen Methoden wie z.B. der Spieltherapie. Dabei werden Kinder unterstützt, angstauslösende Situationen zu erkennen, Vermeidungsverhalten zu reduzieren und selbstsicheres Verhalten aufzubauen. Aufgrund des jungen Alters der Betroffenen werden Eltern intensiv in die Therapie miteinbezogen und angeleitet, angstlösend und unterstützend zu reagieren.