Autismus-Spektrum-Störung bei Kindern
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Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine Entwicklungsstörung bzw. eine Neurodivergenz, die sich bereits ab der frühen Kindheit bemerkbar macht und lebenslang bestehen bleibt. Sie beeinflusst vor allem die soziale Interaktion, Kommunikation und Sprache, zeigt sich aber auch in Interessens- und Verhaltensbesonderheiten.
Gemäß den internationalen Diagnosekriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird zwischen „Frühkindlichem Autismus“, „Asperger-Syndrom“ und „Atypischem Autismus“ unterschieden. Um auch Kindern mit leichteren Formen gerecht zu werden, wird heute der Begriff der „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) als Oberbegriff für das gesamte Spektrum autistischer Störungen verwendet.
Eine umfassende Diagnostik hat zum Ziel, ein möglichst genaues Bild der psychischen und sozialen Situation aufzuzeigen. Zunächst findet ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern zur familiären, sozialen und gesundheitlichen Situation des Kindes statt. Die Beobachtung des Verhaltens und der Interaktion des Kindes ist ein weiterer Bestandteil der Diagnostik. Zusätzlich kommen standardisierte diagnostische Instrumente zum Einsatz. Diese können Intelligenztests, Fragebögen zur Erfassung des kindlichen Verhaltens, emotionale Befindlichkeiten oder spezifische Testverfahren für bestimmte psychische Störungen umfassen. Je nach Fragestellung und Alter des Kindes werden die entsprechenden Verfahren ausgewählt. Nach Auswertung der diagnostischen Ergebnisse werden diese mit den Eltern besprochen und es erfolgt die detaillierte Ausarbeitung eines individuellen Therapieplans.
Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung zeigen oft schon in den ersten Lebensjahren Besonderheiten in ihrem Verhalten, diese betreffen vor allem die folgenden drei Bereiche:
Soziale Interaktion: Betroffene Kinder haben kaum Interesse an sozialen Kontakten, spielen häufig lieber alleine. Auch fällt es ihnen schwer, die Emotionen anderer zu verstehen, sich in andere hineinzuversetzen oder die Gedankengänge anderer nachzuvollziehen.
Kommunikation und Sprache: Häufig wird bei autistischen Kinder eine Sprachentwicklungsverzögerung festgestellt, manche Kinder erlernen nie das Sprechen. Besonders in der Sprach-entwicklung kann ein stereotypes Wiederholen von Wörtern oder Wortkompositionen auffallen. Betroffene Kinder fassen Gesagtes wörtlich auf und verstehen keine Witze, Sprichwörter etc. Zumeist können sie Sprache in einem gegenseitigen Dialog nur sehr bedingt bis gar nicht einsetzen.
Stereotype Verhaltensweisen: Für autistische Kinder sind feste Alltagsrituale wichtig, eine Abweichung führt häufig zu starken emotionalen Reaktionen und wird nicht toleriert. Auch fallen sich häufig wiederholende Bewegungen auf sowie ein großes Interesse an Spezialthemen. Autistische Kinder spielen nur selten Rollenspiele, begeistern sich meist nur für Teilaspekte eines Spiels. Stereotypien können sich auch im Essverhalten zeigen.
Die genauen Ursachen von ASS sind noch nicht vollständig geklärt. Als gesichert gelten genetische Faktoren.
Behandelt werden Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern, indem mit spezifischen Therapieprogrammen soziale und sprachliche Fähigkeiten verbessert werden. Auch werden die soziale Interaktion und Kommunikation trainiert sowie Alltagsfähigkeiten ausgebaut. Optimal ist eine frühe Behandlung der Kinder. Die Eltern werden intensiv in die Therapie miteinbezogen. Hier ist vor allem die Unterstützung beim Aufbau eines strukturierten Alltags mit festen Abläufen und Regeln das Ziel.