Drei Jahrzehnte voller Begegnungen, gemeinsamer Wege und persönlicher Geschichten: Das Clemens-Wallrath-Haus hat am 15. Oktober sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Gemeinsam mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitenden, Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern sowie zahlreichen Gästen blickte das Gerontopsychiatrische Zentrum auf seine Geschichte zurück und zugleich in die Zukunft. Im Mittelpunkt stand dabei das, was das Haus seit seiner Gründung prägt: der Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte, seinen Bedürfnissen und seiner Würde.
Stephan Dransfeld, Verbundgeschäftsführer der Alexianer, begrüßte die Gäste zu einem Festtag, der für ihn einem Familienfest glich. Er erinnerte an seinen ersten Besuch im Clemens-Wallrath-Haus und an einen Ort, an dem Menschen Heimat finden und gut begleitet werden. Schon früh habe das Haus neue Wege in der Gerontopsychiatrie beschritten. Bis heute gehe es darum, Menschen möglichst nah zu sein und Unterstützung in der Gemeinde zu verankern. „Ein Haus, in dem Menschen ihre Heimat gefunden haben und gut betreut wurden. Und so erlebe ich es auch heute“, fasste er seine Verbundenheit mit dem Clemens-Wallrath-Haus zusammen. Auch dem Namensgeber, dem Alexianer-Bruder Clemens Wallrath, dessen Wirken von Menschlichkeit und Aufbruch geprägt war, fühle man sich in dieser Haltung verbunden.
Im anschließenden Gottesdienst stellte Seelsorgerin Jutta Feldmann die Herzenswärme in den Mittelpunkt. Mit der Geschichte „Die Bettlerin und die Rose“ von Rainer Maria Rilke erinnerte sie daran, wie viel kleine Gesten bewirken können. Ein Lächeln, ein offenes Ohr oder eine liebevolle Berührung können den Alltag verändern.Genau dafür stehe das Clemens-Wallrath-Haus: für Beistand, Begegnung und Menschlichkeit, gerade dann, wenn das Leben schwieriger wird.
Bürgermeisterin Maria Winkel überbrachte die Glückwünsche des Oberbürgermeisters der Stadt Münster und unterstrich die Bedeutung des Hauses für die Versorgung älterer Menschen mit psychischen Erkrankungen. Vor 30 Jahren gehörte das Clemens-Wallrath-Haus zu den ersten Zentren, die unterschiedliche Angebote unter einem Dach vereinten. Darauf könne Münster stolz sein. Ihr Dank galt besonders den Mitarbeitenden, die mit Fachwissen, Geduld und Empathie Menschen und Angehörige begleiten. Denn auch wenn sich vieles verändert habe, bleibe eines unverzichtbar: „Die Bedeutung von Zuwendung und Wärme für den Menschen ist geblieben.“
Besonders bewegend war der Erfahrungsbericht einer Angehörigen, die von der Begleitung ihrer demenzkranken Mutter erzählte. Die Beratung im Clemens-Wallrath-Haus, die Gespräche und der Austausch mit anderen Angehörigen hätten ihr geholfen, mit schwierigen Situationen umzugehen und eine neue, besondere Nähe zu ihrer Mutter zu entwickeln. Ihre Geschichte machte spürbar, wie wertvoll es ist, in herausfordernden Zeiten nicht allein zu sein.
Einen besonderen Blick auf die Menschen hinter der täglichen Arbeit richteten die Ärztliche Direktorin Prof. Dr. med. Judith Alferink und Pflegedirektor Tobias Wünnemann. Gemeinsam hoben sie hervor, was die Mitarbeitenden auszeichnet und das Haus seit drei Jahrzehnten prägt: ihr Engagement und ihre Haltung. Dabei gehe es nicht nur um Angebote und fachliche Kompetenz, sondern vor allem um die Art, wie Menschen einander begegnen. „Es geht immer um den Menschen“, lautete die zentrale Botschaft ihrer Ansprache. Ihr Dank galt allen, die diesen besonderen Ort Tag für Tag mit Leben füllen.
Den Abschluss des offiziellen Teils bildete der Impulsvortrag von Nina Lauterbach-Dannberg, die vor 24 Jahren als Freiwillige im Sozialen Jahr im Clemens-Wallrath-Haus begonnen hat und heute Kuratoriumsmitglied der Deutschen Altershilfe ist. Unter dem Titel „Teilhabe, wenn das Leben verletzlicher wird. Gerontopsychiatrie zwischen Krise, Halt und Zugehörigkeit“ widmete sie sich der Frage, wie ältere Menschen auch in schwierigen Lebensphasen Halt finden und Teil der Gemeinschaft bleiben können.
Ab 13 Uhr öffnete das Clemens-Wallrath-Haus seine Türen für die Öffentlichkeit. Beim „Markt der Möglichkeiten“ konnten Besucherinnen und Besucher im Haus, im Garten und im Festzelt die vielfältigen Angebote kennenlernen. Rundgänge ermöglichten zudem einen Blick hinter die Kulissen. Eine Fotostation, die Fotoaktion „30 Jahre CWH“ und die CWH-Olympiade boten interessante Aktionen für die Gäste. Bei Kaffee, anregenden Gesprächen und dem Konzert „Lichtblicks Harfenzauber“ gab es viel Gelegenheit zur Begegnung. Am Nachmittag sorgte Musik zum Mitmachen für einen fröhlichen Ausklang.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Mitarbeitenden, ehemaligen Kolleginnen und Kollegen sowie Ehrenamtlichen, die diesen besonderen Ort mit ihrer Arbeit und Menschlichkeit prägen und ihn auch in Zukunft zu einem Ort der Unterstützung und Zugehörigkeit machen.