Alexianer-Experten-Duo der EOS-Klinik informierte beim Alex Talk über das Thema Essstörungen:
Eines wurde beim jüngsten AlexTalk immer wieder deutlich: Essstörungen sind ebenso gefährliche wie hartnäckige Erkrankungen, wobei die Magersucht sogar die höchste Sterblichkeitsrate unter den psychischen Erkrankungen hat. Die Therapie erfordert für die Betroffenen oft viel Kraft und Geduld und die Störung begleite manche sogar ein Leben lang. „Doch jede Besserung ist eine wichtige Entwicklung und jede Therapie ein lohnenswerter Weg, der schwerwiegenden Krankheit zu begegnen“, betonte Dr. Andrea Dlugos.
Im Gespräch mit WN-Redakteur Stefan Werding erläuterten die Leitende Oberärztin der EOS-Klinik für Psychotherapie und Oberarzt Uli Theiß sehr anschaulich und konkret Auswege aus der Erkrankung.
Aufgrund der regen Fragen aus dem Publikum blickte das Alexianer-Expertenduo dabei insbesondere auf die Symptome und Hilfen bei der Magersucht (Anorexie). Ein signifikant niedriges Körpergewicht, ein rascher Gewichtsverlust, eine ständige Gewichtskontrolle, exzessiver Sport, ein gestörtes Körperbild sowie ein stark von Figur und Gewicht abhängiges Selbstwerterleben seien kennzeichnend für die Anorexie.
„Im Leben der Betroffenen verliert oft alles andere zunehmend an Bedeutung, soziale Kontakte brechen weg und die Gedanken kreisen am Ende nur noch um das Essen“, erklärte Oberarzt Theiß den sich im Laufe der Erkrankung entwickelnden Prozess des Kontrollverlusts über die Symptomatik.
Fast immer seien Essstörungen der Ausdruck von dahinterstehenden belastenden Gefühlen. „Entwicklungsaufgaben oder Identitätskrisen, die Angst vor Neuem oder Konflikte können das essgestörte Verhalten als Auslöser mitunter bedingen und vermitteln den Betroffenen zunächst eine Art Sicherheit“, beschrieb Dlugos. Häufig seien die Betroffenen auch in sonstigen Lebensbereichen sehr leistungsorientiert, angepasst und perfektionistisch unterwegs, was dann insbesondere in Schwellensituationen, wie etwa beim Auszug aus dem Elternhaus oder dem Start in Beruf oder Studium, schneller zu Überforderung und höherer Anfälligkeit führen könne.
Die konkrete Therapie bestehe aus zwei wesentlichen Bausteinen: Sie startet neben ersten therapeutischen Interventionen mit der Ernährungsrehabilitation, die von einem Ernährungsteam sehr engmaschig begleitet wird. „In einem zweiten Schritt schauen wir gemeinsam mit den Betroffenen intensiv auf die auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren der Essstörung“, erklärte die Alexianer-Expertin Dr. Dlugos und Experte Theiß ergänzt: „Denn erst mit der Gewichtszunahme und dem Therapieprozess treten oft auch die tieferliegenden Ursachen für die Essstörung zutage, was zugleich für Viele einen wichtigen Punkt für die weitere Therapiegestaltung darstellt“.
Nicht selten litten die Betroffenen auch unter Begleiterkrankungen wie zum Beispiel an Depressionen Angst-, Zwangs- oder übergeordneten Persönlichkeitsstörungen.
„Die Therapie von Essstörungen ist ein längerfristiger Prozess, der Kraft und fachliche Unterstützung erfordert. Wir möchten dazu ermutigen frühzeitig gezielte Hilfe anzunehmen, um wieder am Leben teilhaben zu können“, betonte Expertin Dr. Dlugos abschließend.