Zweiter digitaler Alex Talk: Mit Verständnis und Gelassenheit geht es oft leichter

AlexTalk April 2021
Werner Terhaar (l.), Oberarzt in der Alexianer Don Bosco Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erläuterte im Gespräch mit WN-Redakteur Stefan Werding (r.) wichtige Aspekte für eine gute Begleitung von Heranwachsenden.

, Einrichtungen Münster

Heranwachsende gut begleiten – Alexianer-Oberarzt Werner Terhaar gab Tipps und Anregungen.

Verständnis, Kommunikation auf Augenhöhe, die richtige Haltung und eine Portion Gelassenheit – mit diesem Grundgerüst im Gepäck kann die Begleitung von Heranwachsenden gut oder manchmal eben auch besser gelingen. So lautete jedenfalls ein wesentliches Fazit des Kinder- und Jugendexperten Werner Terhaar beim zweiten digitalen Alex Talk zum Thema „Erwachsen werden ist nicht einfach“.

Psychisch, hormonell und körperlich – die Entwicklungszeit von Pubertät bis zum Erwachsensein ist zweifelsohne auf vielen Ebenen für alle Beteiligten von Herausforderungen geprägt. Und in Zeiten von Corona kommt mit Homeschooling, Kontakteinschränkungen und fehlenden Angeboten noch einmal eine ganze Menge „oben drauf“.

„In Anbetracht dieser besonderen Umstände muss man ehrlich sagen: unsere Kinder und Heranwachsenden leisten gerade sehr viel und haben dafür großen Respekt verdient“, betonte der Alexianer-Oberarzt der Don Bosco Klinik für Kinder-, Jugend- und Adoleszenzpsychiatrie.

 „Ein wesentlicher Aspekt einer guten Begleitung ist die richtige Haltung“, führte Terhaar zunächst in das Thema ein. So vergessen viele Erwachsene häufig zu schnell, dass sie selbst mal jung und auf der Suche nach Orientierung gewesen seien: „Natürlich ist der Blick auf die Welt als Erwachsener ein ganz anderer als der in jungen Jahren und schon immer haben Erwachsene das Jugendverhalten mit Skepsis beäugt!“

Dabei können Adoleszente oft gar nichts für ihr widersprüchliches Verhalten: „Sie wissen in dieser Entwicklungsphase ja selbst noch nicht, wo ihre Reise hingeht. Und müssen sich trotzdem mit all' ihren Widersprüchen annehmen“, plädierte Terhaar für Akzeptanz. Das eigene Verhalten könne sogar der persönlichen Steuerung komplett entzogen sein, Verschiebungen zwischen körperlicher und emotionaler Reifung können auftreten und auch die „Umbauphase im Gehirn“ berge massive Veränderungen: „Die Jugendlichen brauchen plötzlich mehr Kick, verhalten sich riskanter, gleichzeitig fällt das Einschätzen von Risiken und die Gefühlserkennung anderer schwerer“, skizzierte der Jugendexperte neurologisch bedingte Veränderungen.

Und wann sollte man doch Experten zu Rate ziehen? „Das Gelingen des Alltags kann als Richtschnur dienen“, lautete die Antwort. Schulverweigerung, Rückzug, erkennbares unglücklich sein mit der sozialen Situation seien etwa deutliche Warnsignale.

Die Zuschauerfragen waren vielfältig, so zum Beispiel zum Suchtpotential bei zunehmender Digitalisierung: „Zunächst können wir froh sein, dass wir hierüber die soziale Isolation etwas kompensieren können. Aber wenn etwa über das Zocken unangenehme Gefühle unterdrückt werden und es als einziger Motor für Glücksgefühle dient, sollten die Alarmglocken klingeln.“ Auch auf Fragen zur guten Kommunikation, zum Aufzeigen von Grenzen oder zu schulischen Problemlagen ging der Experte im Gespräch mit WN-Redakteur Stefan Werding ausführlich ein. Letztlich habe sich bei vielen Herausforderungen bewährt: „Abwarten, Ruhe bewahren – es geht vorüber!“