Ein behandelbarer Teufelskreis

Oberarzt Konrad Röhl (Alexianer Münster) erläuterte vor 120 Interessierten Wege aus der Angsterkrankung.

„Angst zu haben, ist an sich eine unverzichtbare Grundfähigkeit, denn sie sichert unser Überleben!“. Mit dieser grundlegenden Feststellung skizzierte Konrad Röhl, Oberarzt der Klinik Maria Brunn der Alexianer in Münster, beim jüngsten AlexTalk zunächst die eigentliche und lebenswichtige „Funktion“ der menschlichen Ängste.

Wie von selbst programmiere sich der Körper in gefährlichen Situation auf den ureigenen Instinktmodus „Kampf und Flucht“ und es startet blitzschnell eine Reihe von körperlichen Reaktionen: Das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, die Pupillen werden weiter, der Magen-Darm-Trakt wird in seiner Tätigkeit gedrosselt und Angstschweiß breitet sich aus.
„Körper und Sinne fixieren sich eben auf Alarmbereitschaft und genau diese Symptome verspüren auch Angstpatienten. „Tatsächlich sind Letztere aber objektiv betrachtet gar nicht mit einer gefahrvollen Situation konfrontiert, sondern die angebliche Gefahr existiert nur in ihrer Vorstellung“, erläuterte der Klinikarzt.

Immerhin 13 Prozent aller Menschen seien im Laufe ihres Lebens von Angststörungen betroffen, womit diese Störung klar zu einer der häufigsten psychischen Erkrankungen zähle. Bei vielen Betroffenen bliebe die Störung durchschnittlich fünf bis teilweise sogar 15 Jahre lang unbehandelt, was nicht nur mit der Gefahr einer Chronifizierung, sondern auch sich entwickelnden Folgeerkrankungen wie etwa Depressionen oder Sucht einhergehe.

In der psychotherapeutischen Behandlung betrachte man unter anderem konkret die vier Ebenen der Angst, die sich aus den Emotionen, den Gedanken, den Handlungsimpulsen und den körperlichen Reaktionen zusammensetzen. „Alle vier Elemente wirken aufeinander ein und verbinden sich in einem Angstzustand wie ein Teufelskreis, der sich mit jeder Angstattacke verstärken kann und im Verlauf immer schwer zu durchbrechen ist“, betonte der Experte.

Die Auslöser für Angststörungen seien vielfältig, wobei es grundsätzlich auch eine Veranlagung im Sinne einer höheren Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer solchen Störung gebe. Aber auch prägende Lebensereignisse wie etwa Unfälle, Traumata oder der Tod von Angehörigen könnten auslösende Faktoren sein. Eine akute chronische Überlastung, eine körperliche Erkrankung, eine überbehütende Erziehung durch allzu ängstliche Eltern als Vorbilder könnten ebenso Ursachen für eine spätere Angsterkrankung setzen. 
Neben den einzelnen Arten der Angsterkrankung wie etwa den besonders häufig vorkommenden sozialen Ängsten oder der Panikstörung, aus der sich oft noch eine Angst vor der Angst entwickle, ging der Alexianer-Experte auch auf die generalisierte Angststörung ein. Betroffene litten hierbei unter einer generell erhöhten Sorgenbereitschaft, scannten ihr Umfeld stetig nach etwaigen Gefahrenquellen ab, wappnen sich umfassend und leiden so unter einer dauerhaften Anspannung, die sich im Verlauf auch in Kopf- und Rückenschmerzen oder bei dauerhaften Leiden auch in einer manifesten Depression äußern könne.

Doch wie für sie gibt es auch für alle anderen Angststörungen wirksame Ansätze der Behandlung und Heilung: „Mit der kognitiven Verhaltenstherapie erzielen wir bei diesen Patienten sehr gute Erfolge“, berichtete Röhl.  Auch eine antidepressive medikamentöse Therapie sei mitunter erforderlich. Schon vorbeugend gebe es auch viele schützende Faktoren, damit es vielleicht gar nicht erst zur Erkrankung komme. „Das Erfahren von Selbstwirksamkeit, am besten schon in jungen Jahren, oder das Lernen von Nein sagen, Mitbestimmung und selbstständiger Problemlösung sind beispielsweise Dinge, die helfen können, eine gute „seelische Immunität“ zu erreichen!“

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